Selbstverwirklichung statt Ausbeutung“ – Was die neue große Prostituierten-Studie wirklich sagt



Wie glaubwürdig ist die große Prostituierten-Studie der Bundesregierung? Neue Erkenntnisse aus Deutschland
Die deutsche Boulevard-Presse hat in den letzten Tagen wieder ein heißes Thema aufgegriffen: Eine neue Studie des Familienministeriums (BMFSFJ) zeichnet ein überraschend positives Bild der Prostitution in Deutschland. Bild.de titelt provokant: „Jede zweite Prostituierte macht den Job, weil es ihr Spaß macht.“ Aber was steckt wirklich dahinter?
Als Plattform, die Sexarbeitende und ihre Community unterstützt, werfen wir einen genauen Blick auf die Fakten.
Die Studie im Überblick
Es handelt sich um die umfangreichste Untersuchung dieser Art in Deutschland: Die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) von 2017, durchgeführt vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN). Über 2.300 Prostituierte wurden befragt – plus Behördenmitarbeitende, Betreiber und Kunden. Der Abschlussbericht wurde im Juni 2025 vorgelegt.
Wichtige Ergebnisse:
- Viele Befragte berichten von guten Bildungsabschlüssen, stabiler sozialer Absicherung und der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung.
- Ein signifikanter Anteil gibt an, den Job teilweise aus Freude oder weil er ihnen gefällt, fortzuführen – die ZEIT spricht von „Jede Zweite sieht es als normale Arbeit“.
- Das ProstSchG hat in Teilen positive Effekte gezeigt: Bessere Aufklärung, verbesserte Arbeitsbedingungen in regulierten Betrieben und mehr staatliche Überwachung.
- Die Studie betont, dass Prostitution freiwillig ausgeübt werden kann und grundrechtlich geschützt ist.
Die kritische Seite
Natürlich bleibt die Debatte nicht aus. Bild selbst stellt die Glaubwürdigkeit infrage und zitiert Ex-Prostituierte, Aktivisten und Politiker, die von Verzerrungen sprechen. Häufige Kritikpunkte:
- Die Befragung könnte vor allem die sichtbaren und organisierten Sexarbeitenden erreichen – das unsichtbare, prekäre oder von Zwang betroffene Segment bleibt unterrepräsentiert.
- Stigmatisierung und Angst vor Behörden führen dazu, dass viele sich gar nicht anmelden.
- Kritiker sehen Deutschland weiterhin als „Puff Europas“ und fordern schärfere Maßnahmen wie das nordische Modell (Freier-Bestrafung).
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Studie zeigt ein differenziertes Bild: Prostitution ist kein einheitliches Feld. Es gibt Menschen, für die es eine bewusste und erfüllende Tätigkeit ist – und solche, die unter Druck stehen. Wichtig ist, dass beide Realitäten gesehen werden.
Für uns bei Intimcity.at bleibt das Ziel klar: Bessere Schutzmechanismen, weniger Stigma, mehr Selbstbestimmung und echte Unterstützung für alle, die in der Branche arbeiten. Statt pauschaler Verurteilung oder Schönfärberei brauchen wir ehrliche Gespräche und praktische Hilfen.
Quellen & Weiterlesen
- Offizieller Abschlussbericht des BMFSFJ (KFN-Evaluation)
- ZEIT-Artikel: „Jede Zweite sieht es als normale Arbeit“
- Bild-Berichterstattung vom 29.06.2026
Was denkt ihr dazu? Teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren – respektvoll und konstruktiv. Eure Perspektiven sind wichtig!

Autor
Hannes Obermoser